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You Are Here: Home » Finance, German, News » Die Supermacht Amerika ist angezählt

Standard & Poor´s macht einen historischen Schritt

Am Freitag ereigneten sich historische Augenblicke in Amerika. Die USA, die sich gerne als Land der unzähligen Möglichkeiten und als Finanzsupermacht sehen, wurden von der Rating Agentur Standard & Poor´s heruntergestuft. Ein Novum in der amerikanischen Geschichte. Bis jetzt konnten die Amerikaner immer mit der Bestnote AAA rechnen, denn sie hatten in den letzten 100 Jahren die Führungsrolle der globalen Finanzwelt inne. Der Dollar war der Maßstab für alle anderen Währungen und wurde folglich zur Weltreservewährung. Egal in welchem Ausmaße sich die globale Finanzwelt drehte, Amerika war immer der Dreh- und Angelpunkt, um den sich die anderen anordnen mussten.
Dieses Gesamtkonstrukt ist nun deutlich ins Wanken geraten. Amerika ist in gewisser Weise angezählt, denn die Herabstufung hat das Vertrauen der Anleger deutlich geschwächt. Dabei steht Amerika mit der Note AA+ immer noch gut da, denn viele Industrieländer sind nicht besser oder sogar noch schlechter bewertet. Dennoch ist der eigentliche Schaden dadurch entstanden, dass man den Ruf der Unantastbarkeit verloren hat. Bis jetzt war jeder gerne bereit, sein Geld in Amerika zu investieren, denn ein Ausfall galt als ausgeschlossen. Aber in den letzten Jahren ist etwas mit dem Land passiert, das auch auf dem Finanzmarkt nicht unbeobachtet blieb. 2007 hat eine der größten Finanzkrisen ihren Ursprung in Amerika gefunden. Banken wie Lehmon Brothers gingen pleite. Andere mussten vom Staat mit Milliarden gestützt werden. Die ganze Welt leidete schließlich unter der Krise, die durch den amerikanischen Immobilienmarkt ausgelöst wurde. Die Wirtschaft, die immer wieder ein Garant für den Aufstieg Amerikas war, schwächelt zunehmend. Die Konjunktur fällt längst nicht so stark aus, wie das vielleicht erhofft war. An großen Errungenschaften fehlt es teilweise und die Automobilindustrie hängt in Sachen fortschrittlicher Antriebsenergie weit hinterher. Dazu verschlingen sinnlose lange Kriege wie im Irak und Afghanistan nicht nur eine Menge Menschenleben, sondern ebenfalls horrende Geldsummen. Alles wird noch einmal von der dramatisch hohen Anzahl an Arbeitslosen überschattet.
Diese Probleme gibt es natürlich nicht erst seit heute, aber sie werden jetzt erst so richtig sichtbar. Die globale Finanzwelt ist vor allem durch Vertrauen und Image geprägt. Amerika hat sehr viel Vertrauen und ein gutes Image genossen. Selbstverständlich ist das noch nicht alles aufgebraucht, aber die Herabstufung hat die USA härter getroffen, als es vielleicht Zahlen und Fakten ausdrücken können.

China steht bereit

Ein Land scheint nur auf die Reaktion von Standard & Poor´s gewartet zu haben: China. Das Reich der Mitte hat augenblicklich die Gunst der Stunde genutzt und versucht, Druck auf die amerikanische Regierung zu machen. Schließlich ist China mit 1,2 Billionen Dollar der größte Gläubiger Amerikas. Es scheint sich in naher Zukunft ein Kampf zwischen China und Amerika um die Stellung der Supermacht anzubahnen. Im Moment kämpft China noch mit stumpfen Waffen, denn der Yuan ist noch keine frei handelbare Währung. Die Regierung hält die Währung bewusst klein, damit es weiterhin möglich ist, den Aufschwung im Kaiserreich mit günstigen Krediten voranzutrieben.

Eines scheint aber fest zu stehen: Wir befinden uns in einer Zeit des Wandels. Die globale Finanzpolitik ändert ihr Gesicht. Es bleibt abzuwarten, ob und in welchem Maße der Euro davon profitieren kann.

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